|

Im
Sommer des Jahres 1999 trafen sich sieben Filmbegeisterte, um eigene
Ideen auf Video zu verewigen. Das "Drehbuch" bestand lediglich
aus einer handvoll Notizen und einem "Masterplan" im Kopf
des Regisseurs. Gedreht wurde auf Hi8 mit einer Cannon EX-1. Keiner
der Darsteller wußte, worauf er sich einlassen würde, und
niemand ahnte, wie das Ergebnis letztendlich aussehen sollte. Dass der
in jeder Einstellung spürbare Minimalismus nicht gewollt war, sondern
gezwungenermaßen in Kauf genommen werden mußte, störte
dabei niemanden. Im Gegenteil - jeder war stolz, Teil dieses Projektes
zu sein.
Aus
heutiger Sicht wirkt der Film altbacken, unvorbereitet, zuweilen chaotisch
und naiv. Dennoch hat er nichts von seinem Charme eingebüßt.
Jede Szene verinnerlicht einen optimistischen, hochmotivierten Pionier-Geist.
Zudem genießt "BLOOD FEUD" in Bekanntenkreisen fast
schon eine Art Kultstatus.
Das
Wichtigste war natürlich, überhaupt einen Anfang zu machen,
und einen Fuß in den Amateurfilm-Bereich zu setzen. Keine der
involvierten Personen wußte wirklich, wie man eine Szene ausleuchtet,
was eine Kamera-Achse bedeutet, wie man einen Klimax erzeugt... sogar
das Anrühren von Kunstblut war ein Abenteuer für sich. Nur
der Stil stand von vorneherein fest: Tarantino-like, so wie es sich
für jeden Anfängerfilm gehört. Es mußten Pistolen
und Blut her, ein Mädchen das leidet ist unersetzlich und ein paar
Leichen sorgen für die nötige Atmosphäre. Schief gehen
konnte also nichts.
Der
anschließende Schnitt war nicht weniger aufregend. Fest stand,
dass keinerlei O-Ton zu verwenden war, sondern Musik und Soundeffekte
für den nötigen Schliff sorgen sollten. Auch hier wirkt das
Ergebnis heutzutage nicht mehr ideal, aber immernoch erstaunlich "hörenswert".
Der
Film sorgte letztendlich bei fast allen Crew-Mitgliedern für einen
Motivationsschub, sich eingehender mit dem Thema Film auseinander zu
setzen. So bildet "BLOOD FEUD" die Grundlage für diverse
Projekte, die folgten und noch folgen werden. Ein Meilenstein eben -
eine gute Portion verklärte Nostalgie inbegriffen.

Die
Bedingungen für eine Fortsetzung des "BLOOD FEUD"-Konzeptes
waren ideal. Kamera, Schnittplatz, Crew, Materialien und Motivation
waren vorhanden, genauso wie die Zielsetzung, die wirren Ereignisse
der ersten Teils zu erklären. Dank des ersten Films fanden sich
auch neue Leute, die gern bereit waren, eine der vielen kleinen Nebenrollen
zu besetzen. Außerdem waren mit dem kleinen Erfolg des ersten
Films auch der Mut und die Hoffnung gewachsen, etwas Größeres
auf die Beine stellen zu wollen. So wurde neben einem erheblich umfangreicheren
Darsteller-Ensemble auch auf vielseitge Locations Wert gelegt. Dabei
filmte man in einer Tankstelle, einem Supermarkt, einer Videothek, einer
Fußgängerzone, in Wohngebieten und in der Landschaft nahe
eines Bundeswehr-Flugplatzes.
Darüber
hinaus waren diesmal einige Spezialeffekte von vornherein mit eingeplant.
So kamen zu den "normalen" Aufnahmen auch diverse Trickaufnahmen,
wie beispielsweise Bewegungen, die beim Schnitt dann rückwärts
integriert wurden, und farbverfremdete Sequenzen, die mit künstlichen
Flammen und Lichteffekten versehen wurden. Und bis auf den misglückten
Versuch, einen künstlichen Kopf platzen zu lassen, fanden auch
all diese Aufnahmen Verwendung.
Der
gesamte Aufwand für den zweiten Film war somit ungleich größer,
sowohl beim Dreh, als auch beim Schnitt. Wieder wurde auf O-Ton verzichtet,
aber die vielen verschiedenen Szenen verlangten nach einer detaillierten
Vertonung. In mühsamer Kleinarbeit wurden möglichst unterschiedliche
Haustür-Klingeltöne aus anderen Filmen gesampelt, Klopfgeräusche
im Studio simuliert, Monolog-Sprachsequenzen synchronisiert, Umgebungsgeräusche
zusammengesucht, Musik ausgewählt und passend umgeschnitten und
alles dementsprechend homogen eingefügt.
Das
Resultat - ca. 22 Minuten Film - wurde von allen Beteiligten mit Begeisterung
aufgenommen. Dementsprechend war es auch nur ein kleiner Schritt, den
Film für die Bavaria Jugendfilmfestspiele einzureichen - man war
stolz auf das erreichte Niveau. Die Vorstellung im Kinosaal der Bavaria-Studios
war dann eher von ernüchternder Natur. Die Farbwiedergabe war gelinde
gesagt grausam, der gesamte Film erstrahlte in nie gesehenem Knallrot.
Zudem wurde - wie bei bisher jeder Produktion - das Bildformat 2,35:1
gewählt, was den Vorführern wohl arge Probleme bereitete,
denn der Film lief ungleich kleiner als alle anderen Präsentationen.
Dennoch wurde man im anschließenden Auditorium neugierig vom Publikum
zu diversen Produktionsfaktoren befragt, so daß auch diese Hürde
der ersten Vorführung vor fremdem Fachpublikum stolz gemeistert
wurde.
Viele
Vorführungen im Bekanntenkreis später betrachtet man den Film
natürlich viel analytischer und viele Dinge wirken heute eher ernüchternd.
Besonders im Hinblick auf Tempo, Spannung, Erzählstil und Dramatik
kann der Film keinerlei Punkte beim Zuschauer machen. Aber er bleibt
einer der wichtigsten Bestandteile der DARKSIDE-Historie, denn ohne
diesen Film gäbe es wohl keine der nachfolgenden Produktionen.

"Weg
von oberflächlichen Schauwerten! Hin zum Erzählkino!"
So, oder so ähnlich begannen wohl die ersten Gespräche, als
es um die Realisierung von "Criminal" ging. Das Drehbuch wurde
von Stefan Friedrichs innerhalb von drei bis vier Stunden geschrieben,
bereits am gleichen Tag Patrick Roll per eMail geschickt, der erste
Besprechungstermin angesetzt und der Film kurze Zeit später an
einem Wochenende abgedreht. Der Dreh entpuppte sich dabei erheblich
intensiver als noch bei den "BLOOD FEUD" Filmen, denn erstmals
mußten Dialoge gesprochen werden - eine nicht zu unterschätzende
Hürde. Zumal man auf engstem Raum miteinander arbeitete, was durchaus
für einen gewissen Druck bei allen Mitarbeitern sorgte.
Der
Film wurde dennoch zum großen Schritt in die richtige Richtung,
denn endlich verstand man es, eine Geschichte zu erzählen und mit
minimalistischen Attributen spannend zu transportieren. So gibt es trotz
der geringen Spielzeit von ca. fünf Minuten mehrere kleine Höhepunkte.
Außerdem weist der gesamte Film eine gewisse Dynamik auf, da man
sich nicht auf einen Teil der Location beschränkte, sondern mehrere
Teile recht intensiv ausnutzte und miteinander gekonnt verknüpfte.
So war auch gerade die Planung dieser "Szenenwechsel" mitunter
nicht unproblematisch, trug aber cinematographisch betrachtet zum hervorragenden
Ergebnis bei.
Bei
aller Detailverliebtheit muß man natürlich erkennen, daß
nicht das Maximum aus der Drehbuchvorlage herausgeholt wurde. Den Vorbereitungen
- besonders in Bezug auf die Darsteller und die Planung der verschiedenen
Einstellungen und deren Lichtverhältnisse - hätte weit mehr
Aufmerksamkeit gewidmet werden müssen. So kann man nicht über
ein grosses Maß an Overacting und gelegentlich schlecht gewählte
Perspektiven hinwegtäuschen. Und auch das Stilmittel der entsättigten
Farben - nennen wir es schwarz/weiss - kam nicht von ungefähr:
Die verwendete Digital-Kamera lieferte eine sehr schlechte Farbreproduktion,
die von keinem Tool hätte vernünftig abgeglichen werden können.
Im Nachhinein war diese "Not, die zur Tugend gemacht wurde"
allerdings ein Glücksgriff, denn so konzentriert sich der Zuschauer
noch intensiver auf die Charaktere.

Dem
Abwechslungsreichtum des Mediums Film entgegenkommend, entschloss man
sich beim vierten Projekt für einen von DARKSIDE-FILMS bisher vernachlässigten
Genre-Mix: Der Verquickung von Action und Slapstick. Patrick Roll schrieb
das Konzept, auf dessen Grundlage der Film auch gedreht wurde - auf
ein "richtiges" Drehbuch wurde somit verzichtet. Dennoch waren
die einzelnen Schauplätze besser koordiniert als noch bei "Criminal",
da man sich für die Planung diesmal mehr Zeit nahm. Doch der Druck
war auch bei dieser Produktion groß, mußte doch wetterabhängig
gedreht werden. Zudem stand einer der beiden verwendeten Rasenmäher
nur für begrenzte Zeit zur Verfügung.
Gedreht
wurde auf dem Grundstück von Patrick Rolls Elternhaus - zum Leidwesen
seiner Mutter, der man eindringlich versprechen mußte, nichts
zu beschädigen und das Gelände im ursprünglichen Zustand
wieder zu verlassen. Auch die Nachbarn wurden vorgewarnt, sorgen doch
zwei Aufsitzrasenmäher für eine gewisse Geräuschkulisse.
Bezeichnend für diese Produktion war die Professionalität,
mit der alle Beteiligten zu Werke gingen. Endlich merkte man, daß
die Erfahrungen, die bei vorherigen Projekten gesammelt waren, zur Arbeit
am Set beitrugen. Die organisation des Caterings, die schnellen Hilfestellungen
bei Material-Problemen, der reibungslose Ablauf beim Dreh der verschiedenen
Sequenzen - all das klappte besser denn je.
Natürlich
sorgten die sommerlichen Temperaturen für ein paar Streß-Momente,
in denen die Nerven blank zu liegen schienen. Aber man bekam auch derlei
Probleme mit kurzfristig angesetzten Pausen zügig wieder in den
Griff. Hier zeigte sich, wie viel Wert eine Crew wirklich ist, wenn
alle bereits eingespielt und vertraut miteinander auf einander zugehen
können und eine große Kompromissbereitschaft herrscht. So
heiß der Tag auch war, in menschlicher Hinsicht war bisher kein
Dreh zuvor so angenehm. Eine gute Motivationshilfe für kommende
Produktionen.
|
|
|
|

BLOOD
FEUD
Zur
Zeit der Entstehung des ersten "BLOOD FEUD"-Films hatte
noch keiner von uns wirklich Ahnung, wie ein vernünftiges
Cover zu gestalten war. Das Ergebnis spricht für sich...

Gespickt
mit gefälschten Kritiken und Zitaten diverser Szenegrößen
(irgendwas mußte ja drauf) sorgte das Cover zumindest für
einige Lacher.

BLOOD
FEUD 2
Das
Cover zum zweiten Teil war dann schon besser, aber leider immernoch
weit von einem guten Cover entfernt.

Wußten
Sie schon, daß...
...
im Film bei zwei unterschiedlichen Wohnungen jeweils exakt die
gleiche Fußmatte liegt?
...
das beim Dreh niemandem aufgefallen ist?
...
die Spinne "Salma" eigentlich ein Männchen war
und leider im Alter von fünf Jahren verstarb?
...
das Foto von Hauptdarsteller Alexander Berendt in der Tankstellen-Sequenz
falsch herum gehalten wird?
...
Hauptdarsteller Karsten Stallmann und Set-Fotografin Uschi Leewe
sich nicht leiden konnten?
...
die Dame im Hintergrund der Videothek Inge Wanko heißt und
dafür einen Credit bekam?
...
Alexander Berendt bei gut drei bis fünf Grad Celsius Außentemperatur
für eine Einstellung eine halbe Stunde lang durch den Diepolzer
Stadtpark laufen mußte?
...
seine Kleidung dabei für sommerliche Temperaturen ausgelegt
war?
...
der gesamte Film im Kreis Diepholz spielt?
...
dennoch eine Szene im damaligen Zuhause des Regisseurs Stefan
Friedrichs in der Region Verden gedreht wurde?
...
die offizielle Genehmigung für den Dreh in der Kirche vorlag?
...
auch die Drehgenehmigung für den Supermarkt eingeholt werden
mußte?
...
nie von beiden Stellen eine Reaktion auf den fertigen Film kam?
...
das die erste Hälfte des Finales im Januar und die zweite
Hälfte im April gedreht wurden?
...
auch das niemandem auffiel?
...
eine Sequenz, in der Karsten Stallmann Blut spucken sollte, der
Schere zum Opfer fiel, weil ein Kamerakoffer im Bild zu sehen
war?
...
Karsten Stallmann das bis heute nicht verwunden hat?
...
der Vater des Regisseurs sowohl den "schwarzen Mann"
im Vorspann spielt, als auch den Käfer durchs Bild fährt?
...
er es nicht hinbekam, den Käfer wie vorher besprochen langsam
zu fahren?
...
auch heute noch "BLOOD FEUD 2" auf Parties gezeigt wird?
...
keiner der Beteiligten ohne kritische Anmerkungen den Film durchsteht?
CRIMINAL
Wußten
Sie schon, daß...
...
das Drehbuch auf einer Gartenliege entstand?
...
dafür ein altes 386SX40 Notebook verwendet wurde, bei dem
die Enter-Taste defekt war?
...
die Konvertierung der Textdatei länger als das Casting dauerte?
...
Patrick Roll einen Satz siebzehn Mal wiederholen mußte?
...
dieser Satz in der Endfassung geschnitten wurde?
...
dieser Satz in den Outtakes auftaucht - in allen siebzehn
Versionen?
...
diese Textunsicherheit auch bei Sascha Mikolajewicz vorherrschte?
...
die Vorbereitung der Darsteller sich auf ein bis zwei Lesungen
beschränkte?
...
niemand sich den Film als derart umfangreich vorgestellt hatte?
...
"BLOOD FEUD"-Darsteller Alexander Berendt auch am Set
war, um Hintergrundmaterial zu filmen?
...
er am Set einschlief?
...
der Regisseur Stefan Friedrichs mehrfach das "unbarmherzige
Arschloch" raushängen ließ?
...
das niemandem gefiel?
...
der Film deshalb wahrscheinlich besser wurde, als erwartet?
FORMULA
L
-
Patrick Roll kam auf die Idee zum Film beim Rasenmähen.
-
Michael Koscharre wurde die Aufgabe zuteil, die Nahrungsmittel
zu besorgen. Sein Spitzname lautete von da an "Catering!".
-
Alexander Berendt war erneut am Set, diesmal als Produktionshelfer.
Er schlief nicht ein.
-
Sascha Mikolajewicz fing sich einen erheblichen Sonnenbrand ein.
-
Die neue DARKSIDE-Autorin Luise Schitteck und Regisseur Stefan
Friedrichs lernten sich beim Chillout nach Drehschluß auf
einem lokalen Musikfestival kennen. Mittlerweile leben die Beiden
zusammen.

|
|
|
|