CRIMINAL
Ein Drehbuch von Stefan Friedrichs

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AUSSEN - TAG - EIN AUTO

Ein alter Opel Kadett fährt zügig über eine Landstraße. Im Wageninnern sitzen zwei junge Männer. Der Fahrer (JACK) raucht genüsslich eine Zigarette. Er wirkt sehr gelassen und kühl. Der Beifahrer (JOHN) dagegen macht einen leicht verunsicherten und nervösen Eindruck. An einem Parkplatz halten die Beiden an. Sie steigen aus und öffnen den Kofferraum des Autos. JACK greift nach etwas. Als er seine Hand wieder zurückzieht, sind seine Finger blutig. Die Beiden sehen sich ernst an, verschließen den Kofferraum, setzen sich ins Fahrzeug und fahren weiter. JACK wirkt nachdenklich, JOHN noch nervöser. Beide haben jedoch keinen Blickkontakt. JACK blickt zum Radio.

JACK
Schlampe!

Er schiebt eine Kassette ins Radio. Laute Musik füllt das Wageninnere. Der PKW fährt weiter über die Landstraße. [OPENING CREDITS]

Der Wagen rollt in eine Garage. JOHN und JACK steigen aus und schließen das Garagentor. JOHN holt einen Schlüssel aus seiner Jackentasche, schließt die Haustür auf und beide betreten das Gebäude.

INNEN - TAG - EIN ZIMMER

JOHN geht unruhig auf und ab, während JACK lässig auf einem Sofa Platz nimmt.

JOHN
Verdammte Scheiße! Das hätte nicht passieren dürfen. Was zur Hölle ist mit Dir los?

JACK
Ruhig, Brauner. [grinst] Alles halb so wild.

JACK zündet sich eine weitere Zigarette an.

JOHN
Halb so wild? Hast Du sie noch alle? Die Scheiße wird uns den Kopf kosten! Wenn Pete das rauskriegt, macht der uns fertig! Scheiße, Mann! Du hättest...

JACK
Alter, nun mach' Dir mal nich' ins Hemd. Pete brauchte Profis für den Job, Pete hat Profis bekommen. Klar, die Sache is'n bisschen aus dem Ruder gelaufen. Die Schlampe...

JOHN
Ein bisschen aus dem Ruder? Die Schlampe...

JACK
Laß' mich ausreden! Hätte die Schlampe getan, was ich ihr gesagt hab', wär' das Alles nicht passiert. Aber nein, irgendwo ist immer so'n Arsch, der unbedingt den Helden spielen muß. Scheiße, wir sind doch alles normale Geschäftsleute, und Dinge kosten nun mal Geld. Und diese Schlampe...

JOHN
Verschone mich mit Deinem Blabla! Du kannst doch nicht...

JACK
Laß' mich ausreden! Diese Schlampe wusste genau, warum wir da war'n. Diese Schlampe wusste, worum es geht. Und hätte diese Schlampe nicht ihre Chance auf 15 Minuten Ruhm gewittert, wir hätten die scheiß Kohle genommen... hätten vielleicht sogar Danke gesagt, wären verschwunden und alles wäre erledigt. Aber nein, Miss "Ich-hab-Eier-so-dick-wie-Kokosnüsse" muß ja unbedingt...

JOHN
Halt's Maul! Die Schlampe hätte uns nichts getan! Die hatte 'ne scheiß Panik! Du hättest sie bitten können, Dir einen zu blasen, und sie hätte nur gefragt, ob sie Dir die Eier gleich mitkraulen soll!

JACK
Laß' mich bitte ausreden! Wir...

JOHN
Es reicht!

JOHN stürmt auf JACK los und packt ihn am Kragen.

JOHN
Halt Deine verdammte Fresse. Du weißt scheinbar gar nichts. Wir haben 'ne Leiche am Hals. Eine Leiche. Du hast Recht - Pete wollte Profis, aber ich bin mir ziemlich sicher, daß er keine Mörder wollte. Und weißt Du was jetzt ist? Wir sind als nächstes dran. Denn ob Pete nun eine oder drei Leichen verschwinden lassen muß, ist scheißegal. Wir sind geliefert.

JACK sieht JOHN einen Augenblick lang nachdenklich an. Dann beginnt er zu lachen.

JACK
Bist Du jetzt fertig? Alter, rauch' eine, mach's Dir gemütlich, laß' die Sonne rein. Junge, junge, kannst Du paranoid sein. Weißt Du, was passieren wird? Garnichts. Wir sehen zu, daß wir die Leiche verschwinden lassen, Pete gibt uns den Anteil und das war's.

Plötzlich ertönt die Haustürklingel. JOHN läuft zum Fenster.

JOHN
Scheiße! Die Bullen!

JACK
Ja, klar. Erzähl' noch einen.

JOHN deutet JACK, selbst aus dem Fenster zu sehen.

JACK
Scheiße.

Die Klingel ertönt erneut.

JACK
Was die wohl von Pete wollen.

JOHN
Willst Du mich verarschen? Die wissen von dem Vorfall!

JACK
Quatsch! Selbst wenn die von der Sache Wind gekriegt haben - was ich nicht glaube... Woher sollten die wissen, daß Pete darin verwickelt ist?

JOHN
Und warum steh'n die vor der Tür?

JACK
Frag' sie doch.

Ein drittes Klingeln dringt durchs Haus.

JACK
Ganz schön hartnäckig.

JOHN
Was, wenn die sich die Tür gleich selbst öffnen?

JACK
Bleib gelassen. Da draußen steht eine Streife, nicht zehn. Wenn die das Haus stürmen wollten, wär'n schon 'n paar mehr Bullen da. Oh, Scheiße!

JOHN
Was?

JACK
Scharfschützen!

JOHN
Wo?

JACK
Ha, ha... verarscht! Scharfschützen. Ja, klar.

JOHN
Nicht witzig.

JACK
Siehst Du, die hauen wieder ab.

JOHN
Scheiße.

JACK
Na, in die Hosen gemacht?

JOHN
Leck' mich!

JACK
Oh, Mann. Ich hoffe, Pete taucht bald auf.

JOHN
Ich scheiß' auf Pete. Ich scheiß aufs Geld - ich verpiss' mich.

JACK
Wie bitte?

JOHN
Richte Pete 'n schönen Gruß aus - Du kannst meinen Anteil behalten. Ich will mit der ganzen Scheiße nichts mehr zu tun haben. Sieh' zu, wie Du klarkommst.

JACK
Ich fürchte, Du verkennst so'n bisschen die Lage. Du wirst nicht gehen, ehe Pete hier gewesen ist. Mitgehangen, mitgefangen, wie man so schön sagt.

JOHN
Du kannst mich mal! Ich hab' nich' geschossen!

JACK
Aber Du hast gesehen, wer geschossen hat. Und Du weißt auch, warum. Und Du hast nichts getan, um es zu verhindern. Macht Dich in meinen Augen zu einem Mittäter, also pass' auf, was Du sagst.

JOHN
Willst Du mir drohen?

JACK
Alter, wenn ich...

Die beiden hören, wie die Haustür aufgeschlossen wird. Sie gehen aus dem Zimmer und begrüßen Pete.

Es fallen zwei Schüsse.

FADE OUT.