Deutschland deine Sprache

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Moderator: LordAsh

Deutschland deine Sprache

Beitragvon Star » 03.04.2008 14:42

In Deutschland werden Anglizismen immer mehr angewand und eingesetzt. Vor- oder Nachteil, stell ich einfach mal zur Diskussion. Vorweg 2 Beispiele:


"... jeder muss im job permanently seine intangible assets mit high risk neu
relaunchen und seine skills so posten, dass die benefits alle ratings sprengen, damit
der cash-flow stimmt. Wichtig ist corporate- identity, die mit perfect customizing
und eye catchern jedes Jahr geupgedatet wird!"

Hilmar Kopper, vormaliger Vorstandsprecher der Deutschen Bank



Kulturverlust im Automobilbereich
Aus dem Redeprotokoll der Hauptversammlung der Volkswagen AG am 3. Mai 2006 in
Hamburg:
Redebeitrag von Herrn Dr. Teunis:
Vors. Prof. Dr. Piëch: Ich bitte Herrn Dr. Teunis, Braunschweig, ans Pult.
Dr. Teunis: Herr Vorsitzender! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich vertrete eigene
Aktien…..etc.
……Ich habe vor einigen Monaten einen Passat bestellt und dabei erfahren, dass man
fundierte Englischkenntnisse braucht, um alles zu verstehen, was angeboten wird.
Bei der Ausstattung kann man wählen zwischen Trendline, Highline, Sportline und
Comfortline. Bei den Motoren gibt es u. a. TDI und FSI. Was "FSI" bedeutet, weiß der Berater nicht genau; es heiße wohl "Full Selected Injection" oder so. In Wirklichkeit heißt es natürlich "Fuel
Stratified Injection". Es gibt weiterhin den FSI 4MOTION. Meine Nachfrage nach der Bedeutung von
"4MOTION" lautet: "Das ist doch klar: unser Allradantrieb!" Der Berater weiß nicht, dass die
korrekte Übersetzung für Allradantrieb "Four wheel drive" ist. "4MOTION" ist eine
grammatikalische Unmöglichkeit und stellt eine böse Verstümmelung der englischen Sprache
dar. Denn "Motion" für Bewegung kann morphosyntaktisch nicht mit einer Zahl kombiniert
werden. Im Englischen ist das genau so unmöglich, wie es "4Bewegung" im Deutschen wäre.
Bei den Farben ist es so bunt, dass es mir wegen der vielen englischen Qualifizierungen
einfach zu bunt wird, bei denen man sich offenbar nicht die Mühe gemacht hat, nach
deutschen Äquivalenten zu suchen. Ich darf wählen aus Candy-Weiß, Granite Green, Arctic
Blue Silver, Wheat Beige, Shadow Blue, United Silver usw. Gibt es wirklich keine treffenden deutschen Namen für unser deutsches Produkt? Wo bleibt die Kreativität unserer Werbeabteilung?
(Beifall)
Darüber hinaus bietet die Volkswagen Individual GmbH ein individuelles Designpaket aus
Sensitive-Leder, in Snow Beige und Türinserts in zeitlosem Design.
Und dann zum Entertainment: Ich darf bestellen: Multimedia-Kit, PhatBox und Rear-Seat-
Entertainment-Geräte. Bei all den englischen Vokabeln, die ich höre und lese, frage ich mich: Ist das eine Beratung für einen deutschen Kunden oder einen englischen Kunden?
Nun fahre ich ihn, den Passat, und muss mich zurechtfinden mit Bezeichnungen wie TIM für
Traffic Information System, TMC für Traffic Message Channel, EPC für Electronic Power
Control, ACC für Adaptive Cruise Control, mit MUTE, DEST, NAV, MAP, Scan und
Autostore, mit Autohold, Reset, SPEED, CANCEL, (Heiterkeit und Beifall)
mit KESSY für Keyless Entry Start Exit System. - Es ist ein Graus, meine Damen und Herren!
(Beifall)
Es gibt nicht nur die unverständlichen Abkürzungen, sondern unter dem Navigationssystem
prangt ein Satz: PASSENGER AIR BAG OFF. - Zu Deutsch, frei übersetzt: Passagier Luft Sack aus.
(Heiterkeit)
Ohne Englischkenntnisse und intensives Studium des Bordbuches kommt man nicht mehr
zurecht! Warum steht auf dem Zündschloss der Schriftzug "ENGINE Start/Stop"? Es ging doch
Jahrzehnte ohne diesen völlig überflüssigen und unverständlichen Hinweis!
Nach der Übergabe des Fahrzeugs war früher der Kundendienst für mich zuständig. Nun ist er
umbenannt worden in After Sales Service.
(Heiterkeit)
Das ist absolut nicht einzusehen. Das ist nicht nur rücksichtslos, sondern es erscheint mir auch
verkaufsstrategisch gesehen als dumm, so mit deutscher Kundschaft umzugehen.
(Beifall)
Ich empfehle, sich ein Beispiel an McDonald's zu nehmen. McDonald's hat in Deutschland bis
vor gut einem Jahr mit "Every time a good time" geworben. Eine Marktanalyse ergab, dass
dieser Werbespruch von der Bevölkerung nicht verstanden wurde. McDonald's hat seinen
Werbespruch geändert in "Ich liebe es!".
(Heiterkeit und Beifall)
Aus demselben Grund hat auch unsere Konzerntochter Audi umgeschwenkt von "Driven by
Instinct" auf "Pur und faszinierend". Herr Dr. Bernhard, auch Ihre Mitarbeiter in der Produktion verstehen nur unzulänglich Englisch. Sie haben trotzdem vier "Product Units" ? abgekürzt PUs ? für vier selbständig
wirtschaftende Einheiten eingeführt. Es sind dies die PU A-Klasse, die PU Presswerk, die PU
Trim und die PU Fahrsysteme - ein schönes Mischmasch aus Deutsch und Englisch!
Gemeint sind aber offensichtlich gar nicht "Product Units", sondern "Production Units".
Abgesehen von diesem Fehler empfehle ich, die jetzt von Ihnen eingeführte Bezeichnung
"Product Unit" wieder zurückzunehmen. Die bisher gebräuchliche "Fertigung" kann genau so
wirtschaftlich arbeiten wie eine "Product Unit".
(Beifall)
Meine Damen und Herren, wenn der Kunde nachhaltig an Volkswagen gebunden werden soll,
muss die Sprache stimmen. Die ist für deutsch Sprechende nun mal Deutsch und kein
deutsch-englisches Mischmasch.
(Beifall)
Außerdem hat jeder das Recht, nicht Englisch zu können.
(Beifall)
Herr Dr. Pischetsrieder, ich habe abschließend zwei Fragen und einen Vorschlag. Meine erste
Frage: Beabsichtigen Sie, im deutschen Volkswagen Konzern, der bereits seit Jahrzehnten
global agiert, jetzt zunehmend englische Bezeichnungen einzuführen, insbesondere auch
dann, wenn es gute deutsche Wörter gibt? Meine zweite Frage: Ist schon einmal geprüft
worden, welche Haftungsrisiken bestehen, falls ein des Englischen nicht mächtiger Kunde den
im Zweifel lebenswichtigen Warnhinweis "PASSENGER AIR BAG OFF" nicht
berücksichtigen konnte? Und nun mein Vorschlag: Herr Dr. Pischetsrieder, Sie haben vor gut einem Jahr einen neuen Namen für unseren deutschen Volkswagen Konzern gesucht, um eine Abgrenzung zu
Volkswagen Aktiengesellschaft zu erreichen. Ich habe auf der letzten Hauptversammlung
"People's Wagon Group" vorgeschlagen. Dieser Vorschlag wurde abgelehnt.
(Beifall)
Dr. Pischetsrieder, Vorsitzender des Vorstands: Das müsste doch ganz in Ihrem Sinn
gewesen sein, Herr Teunis!
(Heiterkeit)
Dr. Teunis: Ich versuche es heute mit einem anderen Vorschlag. Falls Sie eine englische
Bezeichnung für unseren Betriebsrat suchen sollten, ich habe ein Angebot: "Work Council"
mit der Abkürzung "WC".
(Große Heiterkeit und Beifall)
- Meine Damen und Herren, ich freue mich, dass Ihnen mein Vorschlag so gut gefällt. Dann
dürfen wir zusammen auf die Antwort von Herrn Dr. Pischetsrieder gespannt sein.
Falls der Vorschlag angenommen wird, kann der Worker an der Finishline künftig während
oder nach seiner Shift zu seinem vertrauten WC gehen.
(Heiterkeit)
Meine Damen und Herren, ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche allen
Volkswagen-Fahrern eine gute Zusammenarbeit mit ihrem After Sales Service.
(Heiterkeit und Beifall)
Dr. Pischetsrieder, Vorsitzender des Vorstands: Herr Teunis, Ihre Anregungen zur
Verwendung der deutschen Sprache finde ich so unterhaltsam, wie auch Sie, verehrte
Aktionäre, sie fanden. Es ist so, dass manche der Bezeichnungen, die Sie im Fahrzeug finden,
tatsächlich international genormt sind. Ihre spezielle Frage: Was passiert denn mit dem
Hinweis "Airbag off" für den Fall, dass jemand nicht englisch lesen kann? - In der Betriebsanleitung ist genau beschrieben, was das auf Deutsch heißt. Ich glaube trotzdem ? das sage ich durchaus aus Überzeugung ?, dass die allzu intensive Verwendung der englischen
Sprache im Deutschen nicht nur im Automobilbereich ein gewisser Kulturverlust ist.
(Beifall)




Zu Abschluß noch zwei schöne und passende Zitate von Friedrich Schiller:

Die Sprache ist der Spiegel einer Nation. Wenn wir in diesen Spiegel schauen,
so kommt uns ein großes treffliches Bild von uns selbst daraus entgegen.
*
Wie menschlich Menschen sind, zeigt ihr Umgang mit der Muttersprache.



Wenn man dann noch in anderen Foren sowas ließt: Ich Mega-Checker vor dem Chillen mit meinen Homies ... den Rest spar ich mir, weil ich sonst Fingerkrätze beim Tippen kriege.


Schönen Gruß

Sascha
WHEREAS, a body of men calling themselves the National Congress are now in session in Washington City, in violation of our Imperial edict of the 12th of October last, declaring the said Congress abolished;
WHEREAS, it is necessary for the repose of our Empire that the said decree should be strictly complied with;
NOW, THEREFORE, we do hereby Order and Direct Major-General Scott, the Command-in-Chief of our Armies, immediately upon receipt of this, our Decree, to proceed with a suitable force and clear the Halls of Congress.
Kaiserlichen Erlass vom Januar 1860
Kaiser Norton I., dem Kaiser der Vereinigten Staaten und Schutzherrn von Mexiko
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Beitragvon mAdmAchInE » 03.04.2008 16:04

Natürlich ist das teilweise schon echt heftig, wie sehr Anglizismen in unseren Sprachgebrauch gelangt sind. Das führt zu nem Haufen Probleme, was wohl daraus resultiert, dass wir mehr und mehr interkulturell geworden sind. Nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt. Anglizismen sind nur eins der Beispiele, denn aus anderen Sprachräumen gibt es ebenfalls genügend Einflüsse, die teilweise so krass sind... harr, digga alda! biatch bled! blah!

Naja, sollte man nicht ganz so eng sehn das ganze. Denn der olle Schiller hat zwar zu einem gewissen Grad recht, aber damals war das längst nicht so interkulturell UND vernetzt wie jetzt. Der olle Homie gehört also mit der Aussage in den Keller gesteckt :P

Peinliche sprachliche Umsetzungen bei Reden sind natürlich zu vermeiden... hahaha :mrgreen:
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Beitragvon Nightfall » 04.04.2008 00:19

Ja aber auch Anglizismen kann man auch gegen die Checker verwenden. Ich wäre zum Beispiel dafür den heissten Ort zum chillen für Zielgruppe der 13 - bis 20jährigen Checker zu eröffnen. Der Name wäre natürlich die Zit-Lounge. :mrgreen:

Klingt doch nach einem crazy Chillplace, oder?
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Beitragvon Alvesang » 04.04.2008 20:28

Anglizismen sind out. :mrgreen:
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Beitragvon Thil » 04.02.2009 11:36

ich hab letztes semester durch zufall in einer vorlesung zum thema sprachzerfall im englischen mitbekommen, dass sich echte anglizismen im deutschen sprachgebrauch auf unter 1% belaufen. Will man nicht meinen, aber es ist kein grund zur panik und die gruppe der 13-20-jährigen ist auch nicht sehr repräsentativ. was mir viel mehr sorgen macht, ist die grammatische struktur. (bsp. "gehst du hauptbahnhof?")
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Beitragvon Tinka » 04.02.2009 16:48

das ist wahr. das macht mir auch etwas sorgen... ich bekomme es ja hautnah mit und was meint ihr wie schwierig es ist, einem kind beizubringen dass es "ich gehe mit meinem hund spazieren" heißt und nicht "ich geh mit mein hund". bzw. liegt hier ja dann vor allem das problem in der veschriftlichung. beim mündlichen sprachgebrauch fallen die fehler ja nicht weiter auf...
Wege entstehen dadurch dass man sie geht. (Kafka)
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Beitragvon fulgore » 14.02.2009 19:55

ich schließ mich den mädchen an: der zerfall der grammatik sollte einem mehr sorgen machen als lehnwörter oder englisch klingende neologismen.
wenn man 200 jahre zurückspult, sieht man das selbe phänomen mit französisch: salon, trottoir, coiffeur, portemonnaie, fenster (!) chaiselongue usw usf. viele wörter wurden im laufe der zeit wieder zurückgedeutscht, manche wurden so umgemodelt dass sie deutsch klingen (fenster kommt vom französischen fenestre bzw. fenêtre), und an andere haben wir uns einfach gewöhnt (porteimonnaie, garderobe, waggon etc.)
es gibt einfach wörter, die in anderen sprachen besser klingen, oder sich nur in anderen sprachen ausdrücken lassen. darum sagt man auf englisch auch leitmotiv, kindergarten, gedankenexperiment oder zeitgeist. deutsch geht gut für technische begriffe, englisch gut für "buzz words", für kurze, prägnante ausdrücke, die starke assoziationen auslösen.

dass in einer beschleunigten, verkaufs- und ereignisorientierten gesellschaft mehr lehnwörter aus dem englischen auftauchen ist doch kein wunder.

oh, und dein erstes beispiel ist ein klarer fall von fachsprache: die marketing- und werbewelt hat sich der englischen ausdrücke bemächtigt, einfach weil sie für deren zwecke so sinnvoll sind. mittlerweile merken die werber ja schon, dass sich das nicht ohne weiteres auf die kommunikation mit den kunden übertragen lässt.
wenn man aber das vokabular kennt, ist dieses "denglisch" für werber und vermarkter wirklich sinnvoll und hilfreich.
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Beitragvon Discordius » 14.02.2009 23:04

Wer gegen Anglizismen und gefährliche äußere Einflüsse wettert, übersieht, daß die größte Bedrohung für die deutsche Sprache ihre eigenen Anwender sind. Man überfliege nur einmal ein paar Beiträge aus diesem Forum. ;)

Edit: gilt übrigens für alle anderen kulturellen Bereiche ebenso.
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Beitragvon mAdmAchInE » 15.02.2009 22:45

vielleicht sollte man dann einfach mal aufhören von einer bedrohung zu sprechen und entwicklung als normalen werdegang akzeptieren? ;)

gut oder schlecht, das sei jetzt mal dahingestellt... :mrgreen:
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Beitragvon fulgore » 16.02.2009 02:33

mAdmAchInE hat geschrieben:vielleicht sollte man dann einfach mal aufhören von einer bedrohung zu sprechen und entwicklung als normalen werdegang akzeptieren? ;)


Aber hallo!
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Beitragvon Thil » 09.03.2009 00:22

Genau das. "Sprache ist nicht homogen." ^^ Oh, und man korrigiere die 200 jahre nochmal um mindestens 600 nach unten was das transkulturelle deutsch-französisch betrifft.
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Beitragvon Discordius » 09.03.2009 15:42

Mir ist schon klar, daß Sprache sich entwickelt, besonders durch interkulturellen Austausch. Aber spätestens, wenn alle so reden würden wie in Idiocracy, hielte ich es für absurd, das mit der normativen Kraft des Faktischen zu entschuldigen.
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